Zupforchester Friedrichsthal e.V.

Abschied von Reiner Schwamberger

Nachruf auf eine herausragende Persönlichkeit der Saarländischen Zupfmusikbewegung

 

 

Am 10.02.2012 verstarb Reiner Schwamberger im Alter von 81 Jahren. Seine Familie, Weggefährten und Musikfreunde nahmen in einem Gottesdienst und einer bewegenden Trauerfeier Abschied. Das Zupforchester Friedrichsthal, unter Leitung seines Sohnes Raimund Schwamberger und unter solistischer Mitwirkung des zweiten Sohnes Ralph Schwamberger, erwies seinem verstorbenen Dirigenten und Ehrendirigenten mit exzellent gespielten und ergreifenden Musikbeiträgen die letzte Ehre.

 

In der Region Dudweiler-Sulzbach-Friedrichsthal kannte und schätzte man Reiner Schwamberger als eine Persönlichkeit, die sich durch langjähriges engagiertes Wirken in der Laienmusik und der Jugendarbeit große Verdienste erworben hatte.

Reiner Schwamberger war ein Mann von freundlichem Naturell mit viel Humor und Einfühlungsvermögen, eine natürliche Autorität. Toleranz, Offenheit, Integrität, Verlässlichkeit, Fairness und Disziplin sind einige weitere Wesensmerkmale. Er besaß die Fähigkeit, Menschen zu begeistern und zu integrieren. Sein Herz und sein Kalender waren ein halbes Jahrhundert lang von der Zupfmusik erfüllt und geleitet. Er verstand seine Orchester- und Schülerarbeit nicht nur als musikalisches Hobby, sondern als Lebensaufgabe.

 

Reiner Schwamberger wurde am 11.12.1930 in Dudweiler geboren. Die Zeitgeschichte und die folgenden Kriegsjahre spielten natürlich eine ausschlaggebende Rolle für seinen weiteren Lebenslauf. Die „musikalische Karriere“ beginnt damit, dass ein Lehrer der Familie eine Empfehlung ausspricht: „Ihr Sohn ist ein interessierter und talentierter Bursche, der Junge hat das Zeug, Schullehrer zu werden.“ Im Nachhinein betrachtet hätte das wirklich sein idealer Beruf werden können. Damals war es noch - nicht nur guter Brauch, - sondern Voraussetzung für den Lehrerberuf, dass man wenigsten ein Musikinstrument spielen konnte. Auf Grund der angedachten Laufbahn - die sich nach dem Krieg aber nicht realisieren ließ - erhielt der Junge einen langjährigen, gründlichen Violinunterricht bei einem professionellen Geiger. Daneben erlernte er beim Vater das Mandolinen- und Gitarrenspiel. Als die Musiker des heimatlichen Mandolinenorchesters „Arion“ Dudweiler nach den Kriegswirren wieder zu den Instrumenten griffen, wirkte der vierzehnjährige Reiner mit der Mandoline mit. Der Verein wurde lange Jahre vom Vater, Otto Schwamberger (1903-1974 ), geleitet, der aber durch Bergbau und Krieg bedingt gesundheitlich nicht mehr belastbar war. So wurde Reiner bereits als Achtzehnjähriger Vizedirigent des Orchesters, und 1954 übergab der Vater den Dirigentenstab gänzlich an seinen Sohn.

 

Ein halbes Jahrhundert stand Reiner Schwamberger am Dirigentenpult eines Mandolinen-orchesters, davon rund 40 Jahre an der Spitze des Zupforchesters der Naturfreunde Friedrichsthal. In dieser langen Epoche hat Reiner Schwamberger die Vereinsgeschichte und Gemeindekultur maßgeblich mitgestaltet und geprägt. Dank seiner vielfältigen künstlerischen, organisatorischen, pädagogischen und sozialen Kompetenzen erreichte er mit seinem Orchester ein hohes Niveau und eine weitreichende Reputation.

 

Aber er wirkte auch über den Tellerrand hinaus in anderen Handlungsfeldern der saarländischen Zupfmusikbewegung mit. Als junger Musiker und Idealist war Reiner Schwamberger in den Gründerjahren des Bundes für Zupf- und Volksmusik (BZVS) zur rechten Zeit am richtigen Ort und brachte sich mit seinen Talenten und Visionen, aber auch mit viel Tatkraft, Engagement und Mut für neue Entwicklungen ein.

Über seine örtlichen und regionalen Aktivitäten hinaus bekleidete er in den 60-er Jahren das Amt des Bundesmusikleiters und war in weiteren Vorstandsämter des BZVS über 20 Jahre tätig.

Parallel dazu hat er auch einige Jahre als Kreisdirigent und Kreisvorsitzender gewirkt. Er hat sich als Fachdozent der „Rehlinger Lehrgänge“einen Namen erworben und maßgeblich an einem Literaturverzeichnis für Zupfmusik mitgearbeitet. Seine persönlichen Begegnungen und Erfahrungen mit den „Größen“ seiner Zeit, wie Konrad Wölki, Heinrich Konietzny, Siegfried Behrend und Takashi Ochi, fanden in seinem weiteren musikalischen Wirken starken Widerhall. Reiner Schwambergers Vorliebe galt zwar der Renaissance- und Barockmusik, dennoch hat er stets die Neuentwicklungen in der gesamten Bandbreite authentischer Zupfmusik in seinen Programmen berücksichtigt. Besondere Aufmerksamkeit erzielten seine Konzerte durch seine beispielhaften Standards im Orchesterklang und in der Spielkultur.

 

Für sein jahrzehntelanges erfolgreiches Engagement und die herausragenden Verdienste um die saarländische Zupfmusik wurden Reiner Schwamberger hohe Ehrungen und Anerkennungen zuteil, wie die Ehrenmitgliedschaft des BZVS, die Leo-Clambour-Medaille und die Ehrenmedaille des Kultusministers.

 

Als höchste Auszeichnung verlieh ihm im Juli 2006 der damalige Minister für Kultur, Bildung und Wissenschaft, Jürgen Schreier, im Auftrag des Bundespräsidenten das „Bundesverdienstkreuz“, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Dabei verwies der Minister auf das langjährige, ehrenamtliche kulturpolitische und pädagogische Wirken des Geehrten und betonte: „Die herausragenden Leistungen dieses Orchesters sind ohne seine umfangreiche ehrenamtliche Unterrichtstätigkeit nicht denkbar“.

 

Anlässlich seiner Ehrungen und Auszeichnungen wurden schon zahlreiche Festansprachen und Würdigungen für und über Reiner Schwamberger gehalten. Aus einer solchen Laudatio möchte ich einige Sätze zitieren:

 

* „Herr Schwamberger hat jahrelang die ihm anvertrauten Zupforchester kompetent,   engagiert und selbstlos geleitet und seinen Musikern damit viele Erfolgserlebnisse   vermittelt.

 

* Er hat das Friedrichsthaler Zupforchester zu einem saarländischen Spitzenorchster   geformt und hat eine vorzügliche Literaturpflege betrieben. Rundfunk- und CD- Aufnahmen dokumentieren die hohe Qualität des Ensembles

 

* Er hat Hunderte von (meist jungen) Schülern auf Zupfinstrumenten ausgebildet und sie damit zu einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung und aktiven Alltagskultur geführt.

 

* Er hat mit seiner Musik Abertausende von Menschen erfreut und begeistert. Denn   Musizieren und Musikdarbietung mit und für Menschen ist nicht nur eine kulturelle,   sondern eine ungemein wertvolle soziale und humane Dienstleistung.

 

* Er hat mit seinem Zupforchester als kultureller Werbeträger die Stadt Friedrichsthal während vier Jahrzehnten in zahlreichen europäischen Ländern positiv bekannt gemacht.

 

* Er hat bei zahlreichen Konzerten und Reisen als Kulturbotschafter unseres Landes die saarländische Zupfmusik und den BZVS gebührend und würdig vertreten.

 

* Er hat in seinem ehrenamtlich wahrgenommenen Vorstandsämtern auf Kreis- und Bundesebene (BZVS) herausragende Leistungen vollbracht und viel Zeit, Engagement, Ideen und Verantwortung eingebracht zum Wohl der saarländischen Zupfmusikbewegung.

 

* Ich darf dies mit großem Respekt ein gelungenes Lebenswerk nennen!

 

Wir, seine Familie, die aktiven und passiven Mitglieder des Zupforchesters der Naturfreunde Friedrichsthal, aber auch die zahlreichen Konzertbesucher, die Reiner Schwamberger mit seinen Musikdarbietungen erfreute, gedenken seiner in dankbarer Erinnerung und großer Wertschätzung. Seine rege interessierte Teilnahme an unseren musikalischen Aktivitäten – bis in seine letzten Tage hinein - und seine humorvolle, freundliche Art werden wir sehr vermissen. Wir wollen ihm ein liebevolles Andenken bewahren, auch indem wir in seinem Sinne weiterwirken. Unter anderem werden wir in unserer diesjährigen „Musik im Advent“ im Rathausfestsaal Friedrichsthal ein Werk aufführen, das ihm sein langjähriger Musikfreund Edwin Mertes posthum zum Andenken komponiert und gewidmet hat: „Die Schwamberger-Sonate“.

 

im März 2012                               im Namen der Familie und des Zupforchesters der Naturfreunde e.V.                                                         Jörg Schmitz

 

 

 

 

 

 

 
     

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